Mikroskopierübung - Amphibole


Der a-b Schnitt

Zuerst wird ein Amphibol-Kopfschnitt im Dünnschliff gesucht. Dabei handelt es sich um einen a-b Schnitt. Die kristallographischen Achsen a und b liegen symmetrisch als Winkelhalbierende vor. Anschließend werden die zwei aufeinander senkrecht stehenden Auslöschrichtungen bestimmt (basale Auslöschung). Am besten fertigt man sich dazu eine kleine Skizze an (s. Abb. 1). Da bei den Amphibolen die Basalschnitte immer eine symmetrische Auslöschung zeigen, fällt es nicht weiter schwer die pleochroitischen Farben festzustellen, welche durch die beiden Schwingungsrichtungen hervorgerufen werden.

Vorgehen: Kopfschnitt mit dem kleinen Spaltwinkel (54°) in E-W Richtung bringen (Schwingungsrichtung des polarisierten Lichtes), und ihn von der Fadenkreuzlinie in zwei gleiche Teile spalten lassen (Kontrolle mit dem Analysator-Auslöschungsposition). Somit wissen wir laut Definition, das wir den Pleochroismus beobachten, welche die Schwingungsrichtung hervorruft, die mit der kristallographischen b-Achse zusammenfällt. Tja, und da 95% der Amphibole Y(nb)(optische Richtung)=b(kristallographische Achse) aufweisen (Ausnahmen: Crossit, Magnesio-Riebekit, Osannit, Fluotaramit-Arvedsonit) sind wir schon einen schönen Schritt weiter.

Den selben Vorgang wiederholen wir mit dem stumpfen Winkel (Winkelhalbierung - Kontrolle: Auslöschungsposition - pleochroitische Farbe bestimmen und in die Skizze eintragen). Wie die ersten Skizzen aussehen sollen zeigen Abbildung 2 und 3.

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Abb. 1: Basalschnitte (Kopfschnitte) zeigen eine symmetrische Auslöschung, d.h. eine Schwingungsrichtung verläuft zwischen zwei gleichwertigen morphologischen Elementen, bei den Amphibolen beispielsweise stellen die Schwingungsrichtungen die Winkelhalbierenden dar.

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Abb. 2: Die schematische Ansicht eines Amphibolkopfschnittes in der Auslöschungsposition bei gekreuzten Polarisatoren. Beim Herausziehen des Analysator ist ein violetter Farbton im Hellfeld zu beobachten, welcher durch die optische Y-Richtung hervorgerufen wird, die parallel zu kristallographischen b-Achse schwingt und natürlich gleichzeitig mit der Schwingungsrichtung des Lichts vom Polarisator übereinstimmt.

Abb. 3: Derselbe Amphibolkopfschnitt um 90° gedreht. Der Schnitt befindet sich wieder in der Auslöschungsposition, das es keine resultierende Welle gibt die durch den Analysator gelangt. Der Amphibol ist im Hellfeld in dieser Stellung farblos. Der Kopf- bzw. a-b Schnitt des Amphibols zeigt also einen violetten nach farblosen Pleochroismus.


Da später auch noch die Auslöschungswinkel bei den Längsschnitten bestimmt wollen, soll kurz das Kapitel der "AUSLÖSCHUNG" widerholt werden. Die Auslöschung ist eine im orthoskopischen Strahlengang zu beobachtende Eigenschaft.

Isotrope Minerale (kubisch) muß ich hier jetzt wohl nicht weiter auseinandernehmen, denn jeder weiß seit Kristalloptik 1, daß es in isotropen Mineralen keine Doppelbrechung gibt, und somit keine E-W polarisierte Lichtwelle durch den N-S orientierten Analysator läuft! Das Mineral bleibt während des Drehen des Tisches dunkel. (Bsp. Grt, Spinell)

Anisotrope Minerale zeigen das Phänomen der Doppelbrechung, d.h. wenn Licht in ein anisotropen Kristall eintritt wird es in zwei Lichtwellen mit unterschiedlichen Geschwindigkeitenund senkrecht aufeinander stehende Schwingungsrichtungen aufgespalten. Die Eigenschaft der Doppelbrechung in anisotropen Körpern ist natürlich stark richtungsabhängig. (max. Doppelbrechung (d) = max. Differenz der Brechungsindiezes =(nslow-nfast))

Anisotrope Minerale zeigen immer "totale" Auslöschung, wenn sie senkrecht zu einer optischen Achse geschnitten sind (Kreisschnitt der Indikatrix). Licht breitet sich entlang der optischen Achse, wie in einem isotropen Medium aus. (Das E-W polarisierte Licht wird nicht aufgespalten, somit wird das ganze Licht vom N-S orientiertem Analysator vernichtet und uns erreicht kein Schimmer der Erleuchtung, und so sehen wir das was uns umgibt.)

Alle anderen Schnitte durch anisotrope Minerale zeigen unter gekreuzten Polarisatoren beim Drehen des Tisches alle 90° Auslöschung. AUSLÖSCHUNG TRITT GENAU DANN EIN, WENN EINE SCHWINGUNGSRICHTUNG IM MINERAL MIT DER DES POLARISATORS ÜBEREINSTIMMT! Dies wird als sogenannte AUSLÖSCHUNGSSTELLUNG bezeichnet. In diesem Fall findet sich keine resultierende Komponente des einfallenden Lichts, welche in Durchlaßrichtung des Analysators schwingt (s. Abb. 4B).

Die stärkste Aufhellung in einem Mineral sehen wir, wenn wir das Mineral in die Mitte zwischen zwei Dunkelstellungen bringen, d.h. im 45° - Abstand zu ihnen Diese Lage des Minerals wird als DIAGONALSTELLUNG bezeichnet (s. Abb. 4A).

Auslöschung.gif (3808 Byte)

Abb. 4: HauptschwingungsrichtungenX (na) und Z (ng) in einem zweiachsigen, anisotropen, gerade auslöschenden Mineralschnitt. (P und A stehen, wie in den vorangegangenen Skizzen angedeutet, für Polarisator und Analysator). A.) DIAGONALSTELLUNG - Das Mineral zeigt maximale Aufhellung. B.) DUNKELSTELLUNG - Das Mineral befindet sich in Auslöschungsposition. Beim Drehen des Tisches wird das Mineral immer heller, in der Diagonalstellung ist die maximale Aufhellung erreicht, danach nimmt die Helligkeit wieder ab, bis es nach 90° wieder ganz auslöscht. (Die Interferenzfarbe ändert sich beim Drehen des Tisches natürlich nicht.)

Auslöschungswinkel

Unter dem Auslöschungswinkel versteht man den Winkel zwischen einer linearen morphologischen Eigenschaft, wie z. B. die Spaltbarkeit oder Zwillingslamellen, und der Auslöschung bei gekreuzten Polarisatoren. Bei der Übereinstimmung zwischen linearen Kristalleigenschaften (Spaltbarkeit im Längsschnitt eines OPX) und der Auslöschungsrichtung spricht man von gerader Auslöschung. Von symmetrischer Auslöschung redet man, wenn zwei lineare Kristalleigenschaften die Auslöschungsrichtung als Winkelhalbierende einschließen (s. Kopfschnitt der Amphibole Abb. 1). Bei den meisten Mineralen kann man einen Winkel zwischen Auslöschung oder der Spaltbarkeit oder bevorzugter Wachstumsrichtung messen. In so einem Fall spricht man von schiefer Auslöschung. Dies werden wir näher beim a-c Schnitt des von uns zu bestimmenden Amphibols erörtern. Bei der schiefen Auslöschung wird der Winkel bestimmt, den man zwischen der NS-Stellung des linearen Merkmals und der maximalen Auslöschung bei der Tischdrehung im Uhrzeigersinn erhält. Im Grunde ist dieser Winkel nur ein Minimalwert, da die Lage des Minerals im Schliff immer von der Idealposition abweicht.


©Erfolgsgruppe 2000

Stand: 08. Oktober 2001 17:10:26