Mikroskopierübung - AMPHIBOLE


Der b-c Schnitt

Zuerst betrachten wir den Schnitt b-c. Wir wissen, daß in fast allen Amphibolen die kristallographische b-Richtung mit der optischen Richtung Y (n ) übereinstimmt, zusätzlich wissen wir das der Winkel zwischen b und c schöne 90° beträgt. Zu erwähnen ist außerdem, daß die Spaltrichtungen parallel zu c verlaufen, festgelegt durch die Spaltflächen (110) und (110). (s.h. Kopfschnitt)

Diese aufgezählten Punkte erklären eindeutig, warum dieser Schnitt eine gerade Auslöschung parallel zur Spaltrichtung zeigt!!!!! Die pleochroitischen Farben lassen sich nun auch ganz einfach bestimmen.

 

Vorgehen: Drehen wir diesen Schliff mit seiner Längserstreckung in N-S Richtung (Auslöschungsstellung) und betrachten im Hellfeld den Farbton (Farbton der durch Y (n )hervorgerufen wird, senkrecht zur Spaltrichtung), so stellen wir fest das es sich um den selben pleochroitischen Farbton handelt, welchen wir schon im Kopfschnitt in der kristallographischen b-Richtung festgestellt haben. LILA!

Bei einer Drehung des Tisches um 90° (Schliff liegt mit seiner Längserstreckung in E-W Richtung, d.h. wir betrachten diejenige Welle, welchen auf der kristallographischen C-Richtung schwingt) sehen wir einen BLAUEN Farbton, hervorgerufen durch die optische Richtung Z (n ), wie wir später noch feststellen werden.

Amph-bc-Schnitt.gif (5102 Byte)

Abb. 5:

 

Amph6.jpg (36898 Byte)     Amph5.jpg (33032 Byte)

 

Amph-bc-Schnitt-Pleochroismus.gif (5986 Byte)

 

Kommen wir nun zu dem optischen Charakter der Längserstreckung (ELONGATION), ein wichtiges Kriterium zur Feststellung der Orientierungsrichtungen der optischen Welllen.

Zuerst ein paar kurze Erläuterungen:

Kompensatoren (Hilfsobjekte - HO) werden zur Bestimmung von Schwingungsrichtungen im Mineral verwendet. In der Regel handelt es sich bei den HO um kleine Gips-, Quarz- oder Glimmerplättchen. Der Gangunterschied sowie die Schwingungsrichtungen von den Kompensatoren sind bekannt und meist auf den Trägern eingraviert. Bei den HD-Mikroskopen handelt es sich um ein Gipsplättchen mit einem definierten Gangunterschied von 550 nm.

Die Farbtafel nach Michel-Levy-Tafel ist ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Bestimmung optischer Eigenschaften. Auf ihr sind die Interferenzfarben in Abhängigkeit von Präparatdicke, Gangunterschied und Doppelbrechung aufgetragen. Zur Einteilung der Interferenzfarben in sogenannte Ordnungen, wird der rot nach blau Übergangbenutzt, welcher jeweils im Abstand von 550 nm stattfindet (550 nm, 1100 nm, 1650 nm usw.).Somit werden Interferenzfarben der ersten Ordnung durch Gangunterschiede zwischen 0 und 550 nm erzeugt, Interferenzfaben der zweiten Ordnung zwischen 550 und 1100 nm usw. Die Farnsequnzen werden mit steigender Ordnung blasser und gehen letztendlich über pastellfarbende Töne in ein cremiges Weiss über (bspw. bein Ttn). Beachtet werden sollte, dass sogenannte anomale Interferenzfarben (bspw. die "braune" oder "annomal blaue" Interferenzfarbe von Chlorit), welche durch die Dispersion der Brechungsindizes erzeugt werden nicht in der Farbtafel nach Levy berücksichtigt werden.

Zuerst bringen wir das Mineral in die 45° Stellung (max. Aufhellung). Das linear pol. Licht wird in zwei zueinander senkrecht schwingenden Wellen zerlegt, welche jeweils jeweils einen Winkel von 45° zur Schwingungsrichtung des Pols bilden sie verlassen das Mineral mit einem Gangunterschied D1=d(nslow-nfast). Anschließend treten sie in das Hillfsobjekt ein, sofern man es reingeschoben hat. Fällt nun die langsame Welle im Mineral mit der langsamen Schingungsrichtung im Hilfsobjekt zusammen, erfährt die langsame Welle zusätzlich eine Verzögerung um den um den Gangunterschied DHO. Der Gesamtgangunterschied wird größer, wir beobachten Interferenzfarben höherer Ordnung. Würde die schnelle Welle im Mineral auf die langsame Richtung des Kompensators treffen, so wird der Gangunterschied kleiner, eine Abnahme der Interferenzfarben wäre die Folge.

Elongation des b-c-Schnittes:

Der optische Charakter der Längserstreckung (Elongation) eines zweiachsigen Minerals hängt davon ab, welche Indikatrixachse parallel oder im kleinsten Winkel zur Längserstreckung des Mineral liegt. Liegt die optische Z-Achse ("langsame Richtung) parallel der Längserstreckung, ist der Charakter der Längserstreckung positiv (length slow).

positiv = length slow (langsame Welle aus dem Mineral trifft auf die langsame Welle im HO) Bsp.: Glaukophan, Sillimanit, Disthen (Interferenzfarben zu höheren Ordnungen)

lengthslow.gif (4275 Byte)

Liegt die optische X-Achse ("schnelle Richtung") parallel der Längserstreckung des Minerals, so ist der Charakter der Längserstreckung negativ (length fast)

negativ = length fast (schnelle Welle aus dem Mineral trifft auf die langsame Welle im HO) Bsp.: Andalusit, Apatit (Interferenzfarben zu niedrigen Ordnungen)

lengthfast.gif (4278 Byte)

Angenommen die optische Y-Achse liegt paralle der Längserstreckung, dann ist optische Charakter der Längserstreckung des beobachteten Mineralschnittes abhängig von von der optischen Achse, welche 90° zu der Y-Achse liegt...........

Längserstreckung.gif (5278 Byte)

Abb. xx: Optischer Charakter der Längserstreckung für säulige bzw. nadelige Kristalle.

Abb. xx zeigt den b-c-Schnitt unseres Amphibols in der 45°-Stellung. Die Interferenzfarben entsprechen ungefähr dem "Stahlblau" der ersten Ordnung. Beim Einschieben des HO ist ein intensives Blau zu beobachten. Beim Blick auf die Michel-Levy-Tafel wird deutlich, dass sich der Gangunterschied um 550 nm vergrößert hat, wir sehen eine Zunahme der Interferenzfarben (Blau der zweiten Ordnung). Die Abb. xx zeigt das der Charakter der Längserstreckung wahrhaft positiv. In dem Fall wurde der Längsschnitt in die 275°-Stellung (ebenfalls max. Aufhellung) gebracht, das bedeutet die Welle die senkrecht zur Längserstreckung des Minerals schwingt trifft jetzt auf die langsame Richtung des Kompensators. Wir sehen abnehmende Interferenzfarben (Gelb der ersten Ordnung).

 

Amph1-3.gif (3723 Byte)      Amph1-3.jpg (39577 Byte)

Abb. xx:

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©Erfolgsgruppe 2000

Stand: 08. Oktober 2001 17:15:00